Konsequent mit Holz auf KfW40-Standard –
D-I-E Werkstatt Kunde wird als Energiesparer des Monats ausgezeichnet

Energiesparer des Monats

Südwest-Ansicht mit Dachvorsprung als konstruktiven Wetter- und Sonnenschutz.

Gesucht und gefunden – die Energieagentur in Horb zeichnete im April den fünften „Energiesparer des Monats“ aus: Gregor Sprenger aus Baiersbronn-Huzenbach. (Text: Martin Heer)

Ein Wohnhaus, fast ausschließlich mit dem Rohstoff Holz und anderen ökologischen Baustoffen gebaut, unterschreitet die Vorgaben der EnEV (Energieeinsparverordnung) an Neubauten um 60 Prozent. Es wird dadurch als KfW-Effizienzhaus 40, das anspruchvollste in der Reihe der Effizienzklassen, bezeichnet. Es ist das Ergebnis intensiver Planung und einer zirka achtmonatigen Bauphase. Im Mai bezog Bauherr Gregor Sprenger mitsamt der Familie sein Eigenheim.

Schon im Jahr 2012 fängt der staatlich geprüfte Förster an, sich konkret über einen Hausbau Gedanken zu machen. In Vorgesprächen mit Reinhard Frick, Geschäftsführer von „D-I-E Werkstatt“ in Freudenstadt-Musbach, wird schnell klar, wo er und seine Familie die Prioritäten setzen: Ein „gesundes“ Haus mit ökologischen Materialien, möglichst viel Holz und der Möglichkeit, durch Eigenleistung einen großen Anteil am Hausbau beizusteuern. Der energetische Vorteil des ökologischen Dämmmaterials ist dabei ein angenehmer Nebeneffekt, den man gerne in Kauf nimmt. Reinhard Frick: „Ich stelle bei den Bauherrn in letzter Zeit einen Trend zum ‚wärmeren‘ Bauen, also zum Bauen mit Holz, fest!“ Thomas Pischner führt aus: „Dank der detaillierten Werksplanung wie zum Beispiel der Fugenanschluss Wand zu Decke kann weitgehend auf synthetische Bauhilfsmittel wie Silikon und Bauschaum verzichtet werden.“ Bis auf ein paar wenige Silikonfugen im Bad wurde ausschließlich auf natürliche Werkstoffe gesetzt.


Wärmebrückenfreie Konstruktion zur Dämmung des Daches. Hier werden Dämmdicken von bis zu 50 cm erreicht.

Frick und seine Firma übernehmen die Planung, die Ausführung und das energetische Konzept. Dipl.-Bauingenieur Thomas Pischner (Horb) liefert den Wärmeschutz- und KfW-Nachweis sowie die Wärmebrückenberechnungen. Es folgen umfangreiche Gespräche zwischen „D-I-E Werkstatt“ und der Bauherrschaft, so dass im Oktober 2013 der Maurer mit dem Fundament im Baiersbronner Teilort Huzenbach, weit oben über dem Murgtal thronend, beginnen kann. Zu diesem Zeitpunkt sind schon alle Arbeitsschritte, Materialien und Eigenleistungsanteile festgelegt, so dass alle Beteiligten wissen, was zu welchem Zeitpunkt auf sie zukommt. Auf den ersten Blick weist das rote Haus in Hanglage keine nennenswerten Besonderheiten auf. Jedoch bei genauerer Betrachtung fallen, angefangen beim energetischen Konzept, der Raumaufteilung und -nutzung über die Fenster bis hin zum Dachstuhl zahlreiche Besonderheiten auf:

Konsequente Holznutzung:

Die Ausführung in Holzfachwerkbauweise integriert die Wärmedämmung in die Konstruktion. Das speziell von „D-I-E Werkstatt“ entwickelte Wärmedämmsystem besteht komplett aus dem Rohstoff Holz. Dadurch kommen ausschließlich Baustoffe aus nachwachsenden Rohstoffen zum Einsatz. Beim Bau dieses Hauses wurde eine größere Menge an CO2 in den Baustoffen eingelagert als zu deren Herstellung notwendig war. Die nahezu perfekt gedämmte Gebäudehülle lässt kaum Wärme entweichen.


Südansicht: Effizienzhaus 40 mit wärmebrückenfreier Holzfachwerkkonstruktion

Raumaufteilung und -nutzung:

Wo man gemeinhin die Küche und das Wohnzimmer, nämlich im Erdgeschoss, erwartet, findet man bei den Sprengers die Schlafräume. Gekocht und „gelebt“ wird in der oberen Etage, die einen fantastischen Ausblick und hohe Räume zu bieten hat. Hintergrund ist neben architektonischen Überlegungen der Vorteil, dass durch Thermik grundsätzlich das obere Geschoss wärmer ist als die unteren Geschosse. Im Untergeschoss befindet sich neben dem Technik- und Hauswirtschaft noch eine Einliegerwohnung mit separater Eingangsmöglichkeit. Durch die Hanglage ist selbst dieser Bereich schön hell und Licht durchflutet.

Heizkonzept:

Der Bauherr ist Förster. Somit kommt für ihn nur eine Stückholzheizung infrage, wo er sein Holz zum Heizen einsetzen kann. Eine PV-Anlage mit 20 Modulen auf dem Süddach liefert Strom zur primären Eigennutzung und für den Heizstab, der den Speicher als sinnvollen Zusatz mit Wärme versorgen kann, wenn die Holzheizung nicht in Betrieb ist oder gerade keine Energie mehr liefert.

Fenster:

Die Fenster eines dänischen Herstellers sind mit einer 3-fach-Stufenverglasung ausgestattet und lassen sich nach außen öffnen. Die Äußere Scheibe überdeckt dabei das dahinter liegende Flügel- und Rahmenholz und wirkt dadurch auch optisch sehr ansprechend. Bei geschlossenen Fenstern sorgt der Wind so für noch mehr Dichtheit, frei zu räumende Fenstersimse gehören dadurch außerdem der Vergangenheit an.


Wartungsfreies Holzfenster.

Dämmung der Bodenplatte:

Die Bodenplatte des Gebäudes ist nicht – wie allgemein üblich – auf Polystyrolplatten, sondern auf Schaumglasschotter als Wärmedämmung gegründet. Dieser dämmt nicht nur perfekt gegen das Erdreich, er ist außerdem ultraleicht, stabilisiert den Baugrund, besitzt eine hohe Sickerleistung und ist wesentlich schneller einzubauen.


Der Außenkamin vermeidet unnötige Durchdringungen der Dämmhülle.

Lüftungskonzept:

Die Be- und Entlüftung des Gebäudes erfolgt durch eine feuchtegesteuerte Abluftanlage. Die bedarfsgerechte Regelung der Abluftventilatoren wurde mit einem Feuchte-Temperatursensor ausgerüstet. Diese innovative Regelung passt die Lüfterstufe selbsttätig der Lüftungsnotwendigkeit an: Je nach relativer Luftfeuchtigkeit hebt oder senkt sich der Volumenstrom. So wird immer so viel wie nötig und so wenig wie möglich gelüftet. Über Zuluftelemente in den Wohn- und Schlafräumen wird die Nachströmung von frischer Außenluft in den Wohnraum erreicht, ohne dass störende Umwelteinflüsse wie Zug, Lärm und Dreck in den Wohnbereich gelangen.

Architektonische Besonderheit:

Das raue Mittelgebirgsklima ist neben der Energieeffizienz die große Herausforderung beim Bau eines Hauses in dieser Region. Die Architektur orientiert sich stark an der Nutzung der Sonnenenergie. Das Gebäude ist sehr kompakt und direkt nach Süden ausgerichtet. Die Dachform bietet die Möglichkeit Photovoltaik optimal auszunutzen. In den nächsten Wochen steht noch ein so genannter „Blower-Door-Test“ an, der das Gebäude auf seine Luftdichtheit prüft. Reinhard Frick ist sich sicher, dass der n50-Wert bei etwa 0,5 liegen wird. Zum Vergleich: Für ein normal gebautes Gebäude fordert die EnEV einen Mindestwert von 3,0.


Aufrichten: Beim D-I-E Werkstatt Holzfachwerkhaus werden auch die Kellerwände und -decke aus Holz gefertigt.

Warum aber gerade Gregor Sprenger als „Energiesparer des Monats“?

Mindestens sechs Gründe sprechen aus Sicht der Energieagentur in Horb für die Auszeichnung:

  • 1. Das Zusammenspiel aus ökologisch konsequentem Bauen und energetischem Konzept ist an diesem Beispiel sehr gut sicht- und fühlbar.
  • 2. Die Verbindung einer Stückholz- Heizung mit einer PV-Anlage ist nicht gerade alltäglich und versorgt Sprengers KfW-Effizienzhaus 40 mit Energie.
  • 3. Obwohl der Bauherr einen großen Anteil an Eigenleistung zum Projekt beiträgt, ist das Haus in relativer kurzer Zeit bezugsfertig.
  • 4. Die Orientierung der Raumnutzung an den Temperaturverhältnissen im Haus („warme“ Räume oben, „kühle“ Räume unten).
  • 5. Die Bauteil-Details wurden so konzipiert, dass das Haus „wärmebrückenfrei“ ist (der rechnerische „Wärmebrückenzuschlag“ ist sogar negativ).
  • 6. Jeder einzelne Baustein ist für sich alleine schon ausgezeichnet. Mit dem Zusammenspiel der verschiedenen Komponenten ist das Gesamtprojekt einmalig und dadurch besonders hervorzuheben.

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Noch im Rohbau, aber bereits perfekt gedämmt.
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